Zwischen Handwerk, Hightech und Luftfahrt: Isabell Mayr über ihre Arbeit als Technikerin bei Hoffmann Propeller

Von der Schreinerausbildung in die Propellerentwicklung: Isabell arbeitet seit rund eineinhalb Jahren bei Hoffmann Propeller. Im Interview spricht sie über ihren Arbeitsalltag zwischen Werkstatt und Entwicklungsbüro, abwechslungsreiche Projekte und die Verbindung von handwerklichem Know-how und modernen Technologien.

Isabell, wie bist du eigentlich zu Hoffmann Propeller gekommen?

Ursprünglich habe ich eine Schreinerausbildung gemacht und anschließend meinen Techniker und Meister in Rosenheim absolviert. Parallel dazu habe ich immer mehr Interesse an Flugzeugen entwickelt. Als ich im Holztechnischen Museum auf Propeller von Hoffmann aufmerksam wurde und später gesehen habe, dass das Unternehmen sowohl Schreiner als auch Ingenieure sucht, dachte ich mir: Eigentlich liege ich genau dazwischen. Also habe ich einfach eine Initiativbewerbung geschrieben. Und die war erfolgreich: inzwischen bin ich seit eineinhalb Jahren hier!

Woran arbeitest du heute bei Hoffmann?

Ich bin als Technikerin angestellt und habe einen sehr abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich im Entwicklungsbereich. Dort arbeite ich bei der Konstruktion von Propellern mit, erstelle CAM-Programme, und begleite Projekte rund um die Holzfertigung und -bearbeitung von der Planung bis zum Prototypen.

Das Besondere ist, dass ich die gesamte Prozesskette miterlebe. Ich unterstütze nicht nur bei der Konstruktion am Computer, sondern fräse an der CNC-Maschine die Prototypen selbst und arbeite regelmäßig mit der Produktion zusammen. Wenn Verbesserungsvorschläge aus der Werkstatt kommen oder Prozesse optimiert werden können, bin ich oft direkt eingebunden.

Zusätzlich arbeite ich inzwischen auch mit unserem 3D-Scanner und beschäftige mich unter anderem mit Reverse Engineering von Propellern. Dabei geht es darum, die ursprünglichen Geometrien historischer Propeller, deren Dokumentation nur teilweise erhalten ist, mithilfe von Scans und digitalen Modellen zu rekonstruieren.

 

Eine Hoffmann Propeller Mitarbeiterin sitzt vor ihren Bildschirmen am Arbeitsplatz
Welche weiteren Projekte machen Dir gerade besonders Spaß?

Neben den Projekten an historischen Flugzeugen finde ich auch ein aktuelles Hovercraftpropeller-Projekt sehr interessant. Dort beeindruckt mich vor allem die Größe: Ein einzelnes Propellerblatt ist fast so groß wie ich selbst. Solche Dimensionen hatte ich vorher noch nie bearbeitet.

Du arbeitest also sowohl in der Werkstatt als auch im Entwicklungsbereich. Wie erlebst du diese Verbindung von traditionellem Handwerk und modernen Technologien?

Ich bewege mich oft genau zwischen diesen beiden Welten. 

Früher wurden viele Arbeitsschritte bei Hoffmann vollständig von Hand ausgeführt. Das erforderte enormes handwerkliches Können, und dieses Know-How ist nach wie vor sehr wichtig. Heute nutzen wir zusätzlich digitale Methoden, moderne Fertigungstechnologien und Automatisierungslösungen, um Prozesse gezielt zu unterstützen.

Spannend finde ich die Verbindung beider Seiten: verstehen, wie etwas traditionell funktioniert – und anschließend überlegen, wie Digitalisierung oder Automatisierung sinnvoll unterstützen können. 

Was motiviert dich persönlich an deinem Job?

Vor allem, dass ich jeden Tag dazu lerne! Im Entwicklungsbereich arbeite ich mit studierten Ingenieuren und promovierten Kollegen zusammen. In der Werkstatt mit Kollegen mit jahrzehntelanger praktischer Erfahrung – viele haben mehr Berufsjahre, als ich alt bin. Von beiden Seiten kann ich unglaublich viel lernen. 

Und gleichzeitig kann ich als jemand, der frisch von der Technikerschule kommt, immer wieder auch neue Ideen und Perspektiven einbringen. Es ergänzt sich also gut und es bringt mir persönlich viel, hier zu arbeiten. 

Und dann ist natürlich die Luftfahrt selbst ein spannendes Thema für mich. Ich bin auch schon in Motorflugzeugen mitgeflogen und Fallschirm gesprungen, und mit meinem Paragliding-Schein habe ich letztes Jahr begonnen.

 

Eine Hoffmann Propeller Mitarbeiterin steht neben einem Propeller in der Werkstatt
Wie siehst du deine Zukunft bei Hoffmann?

Mich interessiert besonders das Thema Automatisierung. Schon in der Technikerschule habe ich mich mit Robotik beschäftigt und als Abschlussprojekt einen kleinen Roboter entwickelt - einen Gelenkarmroboter, der mithilfe eines Elektromagneten Schachfiguren ziehen konnte.

Aktuell beschäftigen wir uns bei Hoffmann mit neuen Digitalisierungs- und Automatisierungs-lösungen und investieren sehr viel in moderne Technologien. Ich freue mich, wenn ich diesen Bereich mitgestalten kann.

Generell gefällt mir die Mischung aus Handwerk und Entwicklung, Theorie und Praxis sehr gut. Genau diese Kombination möchte ich auch in Zukunft weiter ausbauen.

Welche Fähigkeiten sollte jemand mitbringen, der einen ähnlichen Weg einschlagen möchte?

Ein gutes technisches Verständnis ist wichtig. Gleichzeitig sollte man aber auch verstehen, wie Dinge in der Praxis entstehen.

Deshalb halte ich handwerkliche Erfahrung für einen großen Vorteil, in diesem Fall mit Holz oder Metall – über eine Ausbildung, oder, wenn man studiert, zum Beispiel über Praktikumssemester. Wer Konstruktionen entwickelt, profitiert enorm davon, wenn er weiß, wie Bauteile später tatsächlich gefertigt werden. Grundlegende CAD- und CAM Fähigkeiten, und Erfahrung mit CNC-Maschinen, sind ebenfalls sehr hilfreich!

Außerdem braucht man Neugier, ein gutes Vorstellungsvermögen, Durchhaltevermögen und Problemlösefähigkeit. Gerade bei historischen Propellern gibt es oft keine vorgefertigte Lösung, weil teilweise nur wenige historische Unterlagen existieren. Dann muss man nachhaltig und diszipliniert dranbleiben und sich Schritt für Schritt vorarbeiten. 

Und man muss sich bewusst sein, dass es in der Luftfahrt auf Präzision ankommt: man merkt jeden Tag, wie wichtig Qualität und Genauigkeit in allen Bereichen sind.

Was würdest du Berufseinsteigern mit auf den Weg geben?

Man sollte offen dafür sein, von den Kolleginnen und Kollegen zu lernen. Bei Hoffmann arbeiten viele Menschen mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, von denen man unglaublich viel mitnehmen kann. 

Gleichzeitig sollte man sich auch trauen, eigene Ideen einzubringen. Natürlich muss man sich erst einmal beweisen – aber eben auch selbstbewusst seine Sichtweise vertreten, wenn man weiß, dass sie helfen kann.

 

Eine Hoffmann Propeller Mitarbeiterin steht vor einer CNC-Fräse und hält einen noch nicht weiterverarbeiteten Holz-Propeller

Was macht Hoffmann für dich besonders?

Zum einen die Vielseitigkeit, also die Vielfalt der Werkstätten, der Fähigkeiten, der Themen und Projekte. Dadurch wird es nie langweilig.

Dann natürlich die Geschichte des Unternehmens. Ich habe sogar die Biografie des ersten Firmengründers gelesen. Es ist schon spannend zu sehen, wie sich Hoffmann über die Jahrzehnte entwickelt hat und gleichzeitig selbst Teil der nächsten Kapitel zu sein.

Und ich arbeite hier mit Menschen zusammen, die wirklich Interesse an ihrer Arbeit haben. Man kann jeden etwas fragen und bekommt immer Unterstützung.